Ratgeber
E-Mobilität
15. Februar 2026
7 Min. Lesezeit

Die Ladeinfrastruktur der Schweiz – Wo stehen wir?

Wer sich für ein Elektroauto entscheidet, stellt sich früher oder später die Frage: Wo kann ich laden? Die Antwort darauf ist in der Schweiz erfreulich klar – und gleichzeitig vielschichtiger, als man zunächst denkt. Denn während das öffentliche Ladenetz stetig wächst und im internationalen Vergleich bereits sehr gut dasteht, gibt es noch Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht. Ein Blick auf den aktuellen Stand zeigt: Die Schweiz ist auf einem guten Weg, doch der Ausbau ist noch längst nicht abgeschlossen.

Ein dichtes Netz – aber nicht überall gleich

Über 14’000 öffentlich zugängliche Ladestationen sind mittlerweile in der Schweiz in Betrieb. Das klingt nach viel – und ist es auch. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht die Schweiz gut da. Entlang der Autobahnen wird bis 2030 durchschnittlich alle 100 Kilometer eine Schnellladestation zur Verfügung stehen. Bereits heute liegt der Abstand bei rund 29,5 Kilometern. Damit übertrifft die Schweiz sogar die verbindlichen Mindestanforderungen der EU, obwohl diese für uns nicht einmal bindend sind.

Doch die Verteilung ist nicht überall gleich. In städtischen Gebieten und entlang der Hauptverkehrsachsen ist das Angebot gross. In ländlichen Regionen und abgelegenen Berggebieten sieht es anders aus. Hier gibt es zwar Ladestationen, aber die Dichte ist geringer. Für alle, die regelmässig in solchen Gegenden unterwegs sind, bedeutet das: Planung ist wichtig. Apps wie ich-tanke-strom.ch oder EVpass helfen dabei, die nächste freie Station zu finden und zu prüfen, ob sie gerade verfügbar ist. In der neusten Generation von Fahrzeugen ist diese Funktion integriert. Wird eine Fahr im Navi programmiert, führt es automatisch zu einer Ladestation auf der Strecke, wenn die Batterieladung nicht mehr bis zum Ziel reicht.

Zuhause laden – die grösste Herausforderung

Rund 80 Prozent aller Ladevorgänge finden zuhause oder am Arbeitsplatz statt. Das ist praktisch, komfortabel und spart Zeit. Doch genau hier liegt eine der grössten Hürden: Über 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebt zur Miete, weitere 12 Prozent im Stockwerkeigentum. Viele von ihnen haben keinen Zugang zu einer eigenen Lademöglichkeit.

Der Ausbau von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern stockt. Gebäudeverwaltungen und Miteigentümer*innen zögern oft, in die notwendige Infrastruktur zu investieren. Die Gründe sind vielfältig: unklare Kostenverteilung, fehlende Informationen oder schlicht die Unsicherheit, ob sich die Investition lohnt. Dabei gibt es mittlerweile praktische Leitfäden und Unterstützung – etwa durch das Programm LadenPunkt, das Vermieter*in, Eigentümer *in und Verwaltungen bei der Planung und Umsetzung begleitet.

Immerhin fördern bereits elf Kantone den Aufbau von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern finanziell. Und der Bundesrat hat im CO₂-Gesetz ein Förderprogramm vorgeschlagen, das genau hier ansetzen soll. Es bleibt zu hoffen, dass diese Massnahmen Wirkung zeigen – denn ohne Lademöglichkeiten zuhause wird die Elektromobilität für viele weiterhin eine Hürde bleiben.

Im Kanton Zürich deckt aktuelll die Förderung die Grundinfrastruktur (Anpassung Elektroverteilung, Installation Flachbandkabel und Lastmanagement) für E-Mobilität in MFH weitgehend ab.

Schnellladen unterwegs – gut ausgebaut, aber ausbaufähig

Wer längere Strecken zurücklegt, ist auf Schnellladestationen angewiesen. Hier hat die Schweiz in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Entlang der Nationalstrassen entstehen laufend neue Stationen, und bis 2030 sollen alle 100 Rastplätze mit Schnelllademöglichkeiten ausgestattet sein. Das ist ein ambitioniertes Ziel – und eines, das realistisch erscheint.

Doch auch hier gibt es Unterschiede. Während an grossen Raststätten oft mehrere Ladepunkte zur Verfügung stehen, kann es an kleineren Standorten eng werden. Gerade an Wochenenden oder Feiertagen, wenn viele unterwegs sind, kann es zu Wartezeiten kommen. Reservierungsmöglichkeiten, wie sie für Lastwagen bereits diskutiert werden, könnten auch für Personenwagen eine Lösung sein.

Ein weiterer Punkt: die Ladegeschwindigkeit. Nicht alle Schnellladestationen bieten die gleiche Leistung. Während moderne Stationen mit 150 kW oder mehr laden, gibt es noch ältere Modelle, die deutlich langsamer sind. Wer unterwegs ist, sollte sich vorab informieren – die meisten Apps zeigen die Ladeleistung der einzelnen Stationen sowie die frei verfügbaren Ladestationen an.

Lastwagen und Schwerverkehr – die nächste Baustelle

Während die Ladeinfrastruktur für Personenwagen bereits gut ausgebaut ist, steht der Schwerverkehr noch am Anfang. Elektrische Lastwagen sind auf dem Markt, doch die passende Infrastruktur fehlt vielerorts. Die Herausforderungen sind gross: LKW benötigen deutlich mehr Leistung, die Ladestationen müssen reservierbar sein, und die Standorte müssen logistisch sinnvoll liegen.

Das ASTRA plant für 2025 einen Projektaufruf, um den Ausbau voranzutreiben. Erste Pilotprojekte, etwa im Schwerverkehrszentrum St. Maurice, sollen zeigen, was technisch möglich ist und welche Anpassungen im Stromnetz notwendig sind. Die Transportbranche drängt auf schnelle Lösungen – denn solange die Infrastruktur fehlt, bleibt die Elektrifizierung der Flotten schwierig.

Interessant ist: Die Schweiz liegt bei den Neuzulassungen von E-Lastwagen europaweit auf dem zweiten Platz. Das zeigt, dass die Bereitschaft da ist. Jetzt muss die Infrastruktur nachziehen.

Intelligentes Laden – die Zukunft ist vernetzt

Die Zukunft der Ladeinfrastruktur liegt nicht nur im Ausbau, sondern auch in der intelligenten Steuerung. Smartes Laden, dynamische Stromtarife und die Integration ins Stromnetz sind Themen, die immer wichtiger werden. Wer sein Auto dann lädt, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, entlastet das Netz und spart Kosten.

Verteilnetzbetreiber*innen arbeiten bereits an Lösungen, um Lastspitzen zu vermeiden und das Laden netzdienlich zu gestalten. Dynamische Tarife, die je nach Tageszeit und Netzauslastung variieren, könnten dabei eine zentrale Rolle spielen. Für Nutzer bedeutet das: Wer flexibel ist und sein Auto nachts oder zu Zeiten geringer Nachfrage lädt, profitiert von günstigeren Preisen.

Auch bidirektionales Laden – also die Möglichkeit, Strom aus dem Auto zurück ins Netz zu speisen – wird zunehmend diskutiert. Die Technologie ist vorhanden, doch die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen müssen noch geklärt werden.

Strom aus erneuerbaren Quellen – ein Pluspunkt

Ein grosser Vorteil der Schweizer Ladeinfrastruktur: Viele Stationen werden mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben. Wasserkraft spielt dabei eine zentrale Rolle. Das macht die Umweltbilanz von Elektroautos in der Schweiz besonders positiv.

Anbieter wie Agrola oder Migrol setzen gezielt auf Solarstrom oder Strom aus nachhaltigen Quellen. Wer an diesen Stationen lädt, weiss: Die Energie kommt aus der Schweiz und ist klimaneutral. Das ist nicht nur gut fürs Gewissen, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Energiewende.

Wo stehen wir also?

Die Schweiz hat in den letzten Jahren viel erreicht. Das öffentliche Ladenetz ist dicht, die Schnellladeinfrastruktur wächst stetig, und die Versorgung mit erneuerbarer Energie ist vorbildlich. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz gut da – auch wenn sie nicht in allen Bereichen Spitzenreiterin ist.

Doch es gibt noch Baustellen. Der Ausbau von Lademöglichkeiten in Mehrparteienhäusern muss schneller vorankommen. Die Ladeinfrastruktur für den Schwerverkehr steht noch am Anfang. Und die intelligente Steuerung des Ladens muss weiter vorangetrieben werden, um das Stromnetz nicht zu überlasten.

Die gute Nachricht: Die Schweiz ist auf dem richtigen Weg. Mit gezielten Förderprogrammen, innovativen Projekten und der Zusammenarbeit vieler Akteure wird die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut. Wer heute ein Elektroauto fährt, kann sich auf ein gut funktionierendes System verlassen. Und wer in Zukunft umsteigen möchte, wird es noch einfacher haben.