02. April 2026
6 Min. Lesezeit
Wo die Schweizer Ladeinfrastruktur heute steht
Wer sich für ein Elektroauto entscheidet, stellt sich früher oder später die Frage: Wo kann ich laden? Die Antwort ist in der Schweiz erfreulich klar, und gleichzeitig vielschichtiger, als man zunächst denkt. Das öffentliche Ladenetz wächst stetig und steht im internationalen Vergleich gut da. Doch es gibt noch Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht. Die Schweiz ist auf einem guten Weg, der Ausbau aber noch nicht abgeschlossen.
Ein dichtes Netz, aber nicht überall gleich
Über 14’000 öffentlich zugängliche Ladestationen sind mittlerweile in der Schweiz in Betrieb. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht die Schweiz gut da. Entlang der Autobahnen wird bis 2030 durchschnittlich alle 100 Kilometer eine Schnellladestation zur Verfügung stehen. Bereits heute liegt der Abstand bei rund 29,5 Kilometern. Damit übertrifft die Schweiz sogar die Mindestanforderungen der EU, obwohl diese für sie nicht bindend sind.
Die Verteilung ist allerdings nicht überall gleich. In städtischen Gebieten und entlang der Hauptverkehrsachsen ist das Angebot gross. In ländlichen Regionen und abgelegenen Berggebieten ist die Dichte geringer. Wer regelmässig in solchen Gegenden unterwegs ist, sollte die Fahrt vorausschauend planen. Apps wie ich-tanke-strom.ch oder EVpass helfen dabei, die nächste freie Station zu finden. Bei neueren Fahrzeugen ist diese Funktion direkt integriert: Wer eine Fahrt im Navi programmiert, wird automatisch zu einer Ladestation geführt, wenn die Batterieladung nicht mehr bis ans Ziel reicht.
Zuhause laden als grösste Herausforderung
Rund 80% aller Ladevorgänge finden zuhause oder am Arbeitsplatz statt. Das ist praktisch, komfortabel und spart Zeit. Doch genau hier liegt eine der grössten Hürden: Über 60% der Schweizer Bevölkerung lebt zur Miete, weitere 12% im Stockwerkeigentum. Viele von ihnen haben keinen Zugang zu einer eigenen Lademöglichkeit.
Der Ausbau von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern stockt. Gebäudeverwaltungen und Miteigentümer*innen zögern oft, in die notwendige Infrastruktur zu investieren. Die Gründe sind vielfältig: unklare Kostenverteilung, fehlende Informationen oder die Unsicherheit, ob sich die Investition lohnt. Dabei gibt es mittlerweile praktische Unterstützung, etwa durch das Programm LadenPunkt, das Vermieter*innen, Eigentümer*innen und Verwaltungen bei Planung und Umsetzung begleitet.
Immerhin fördern bereits elf Kantone den Aufbau von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern finanziell. Im Kanton Zürich deckt die Förderung die Grundinfrastruktur, also Anpassungen an der Elektroverteilung, Installation von Flachbandkabel und Lastmanagement, weitgehend ab. Der Bundesrat hat im CO₂-Gesetz zudem ein Förderprogramm vorgeschlagen, das genau hier ansetzen soll. Ohne Lademöglichkeiten zuhause bleibt die Elektromobilität für viele eine Hürde.
Schnellladen unterwegs: gut ausgebaut, aber ausbaufähig
Wer längere Strecken zurücklegt, ist auf Schnellladestationen angewiesen. Hier hat die Schweiz in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Entlang der Nationalstrassen entstehen laufend neue Stationen, und bis 2030 sollen alle 100 Rastplätze mit Schnelllademöglichkeiten ausgestattet sein.
Doch auch hier gibt es Unterschiede. Während an grossen Raststätten oft mehrere Ladepunkte zur Verfügung stehen, kann es an kleineren Standorten eng werden. Gerade an Wochenenden oder Feiertagen kann es zu Wartezeiten kommen. Reservierungsmöglichkeiten, wie sie für Lastwagen bereits diskutiert werden, könnten auch für Personenwagen eine Lösung sein.
Nicht alle Schnellladestationen bieten die gleiche Leistung. Während moderne Stationen mit 150 kW oder mehr laden, sind ältere Modelle deutlich langsamer. Wer unterwegs ist, sollte sich vorab informieren. Die meisten Apps zeigen sowohl die Ladeleistung als auch die aktuell freien Ladepunkte an.
Lastwagen und Schwerverkehr als nächste Baustelle
Während die Ladeinfrastruktur für Personenwagen bereits gut ausgebaut ist, steht der Schwerverkehr noch am Anfang. Elektrische Lastwagen sind auf dem Markt, doch die passende Infrastruktur fehlt vielerorts. Die Herausforderungen sind gross: Lastwagen benötigen deutlich mehr Leistung, die Stationen müssen reservierbar sein, und die Standorte müssen logistisch sinnvoll liegen.
Das ASTRA plant für 2025 einen Projektaufruf, um den Ausbau voranzutreiben. Erste Pilotprojekte, etwa im Schwerverkehrszentrum St. Maurice, sollen zeigen, was technisch möglich ist und welche Anpassungen im Stromnetz nötig sind. Die Transportbranche drängt auf schnelle Lösungen, denn solange die Infrastruktur fehlt, bleibt die Elektrifizierung der Flotten schwierig.
Bemerkenswert: Bei den Neuzulassungen von E-Lastwagen liegt die Schweiz europaweit auf dem zweiten Platz. Die Bereitschaft ist da. Jetzt muss die Infrastruktur nachziehen.
Intelligentes Laden: die Zukunft ist vernetzt
Die Zukunft der Ladeinfrastruktur liegt nicht nur im Ausbau, sondern auch in der intelligenten Steuerung. Smartes Laden, dynamische Stromtarife und die Integration ins Stromnetz gewinnen an Gewicht. Wer sein Auto dann lädt, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, entlastet das Netz und spart Kosten.
Verteilnetzbetreiber*innen arbeiten bereits an Lösungen, um Lastspitzen zu vermeiden und das Laden netzdienlich zu gestalten. Dynamische Tarife, die je nach Tageszeit und Netzauslastung variieren, könnten dabei eine zentrale Rolle spielen. Wer flexibel ist und das Auto nachts oder zu Zeiten geringer Nachfrage lädt, profitiert von günstigeren Preisen.
Bidirektionales Laden, also die Möglichkeit, Strom aus dem Auto zurück ins Netz zu speisen, wird ebenfalls zunehmend diskutiert. Die Technologie ist vorhanden, doch die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen müssen noch geklärt werden.
Strom aus erneuerbaren Quellen als Pluspunkt
Viele Ladestationen in der Schweiz werden mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben. Wasserkraft spielt dabei eine zentrale Rolle. Das macht die Umweltbilanz von Elektroautos in der Schweiz besonders positiv.
Anbieter wie Agrola oder Migrol setzen gezielt auf Solarstrom oder Strom aus nachhaltigen Quellen. Wer an diesen Stationen lädt, weiss: Die Energie kommt aus der Schweiz und ist klimaneutral. Das ist ein konkreter Beitrag zur Energiewende.
Wo stehen wir also?
Die Schweiz hat in den letzten Jahren viel erreicht. Das öffentliche Ladenetz ist dicht, die Schnellladeinfrastruktur wächst stetig, und die Versorgung mit erneuerbarer Energie ist vorbildlich. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz gut da.
Doch es gibt noch offene Punkte. Der Ausbau von Lademöglichkeiten in Mehrparteienhäusern muss schneller vorankommen. Die Infrastruktur für den Schwerverkehr steht noch am Anfang. Und die intelligente Steuerung des Ladens muss weiter vorangetrieben werden, um das Stromnetz nicht zu überlasten.
Mit gezielten Förderprogrammen, innovativen Projekten und der Zusammenarbeit vieler Akteur*innen wird die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut. Wer heute ein Elektroauto fährt, kann sich auf ein gut funktionierendes System verlassen. Wer künftig umsteigen möchte, wird es noch einfacher haben.